Würden wir uns ohne Mahnung durch Staat und Gesellschaft, um unsere Altersvorsorge kümmern? Würden wir uns immer gesund ernähren, wenn Experten nicht vor Zucker warnen? Würden wir umweltbewusst leben, wenn uns die Ausmaße der Umweltverschmutzung nicht stetig vor Augen geführt werden? Nein, der Mensch handelt nicht von Natur aus rational – aber er kann mit geschickter Beeinflussung dazu gebracht werden, so eine These von US-Verhaltensökonom Richard H. Thaler. Er wurde für seine Beiträge zur Verhaltensökonomie mit dem diesjährigen Wirtschaftsnobelpreis ausgezeichnet. Darin geht es um psychologische Faktoren, die hinter wirtschaftlichen Entscheidungen stehen. Nudging – heißt es im Fach-Jargon – wenn man andere dazu bewegt, das Richtige zu tun (der Bestseller von Richard H. Thaler zu diesem Thema: „Nudge“).

 

Nudging (Synonym für anregen, lenken, formen) ist eine verhaltensökonomische Methode, bei der versucht wird, das Verhalten von Menschen auf vorhersagbare Weise zu beeinflussen, ohne dabei jedoch auf Verbote, Gebote oder ökonomische Anreize zurückzugreifen. Die unter anderem aus der Politik stammende Methode zeigt Bürgern Entscheidungsoptionen auf, bei denen die Art der Präsentation Hinweise darauf gibt, welche Option einer Handlungsempfehlung entspricht. Hierzu werden die Rahmenbedingungen der Entscheidungsoptionen bewusst so verändert, dass der Entscheidende sich unbewusst in die gewünschte Richtung entscheidet. Die Mechanismen werden von den Entscheidenden dabei nicht als manipulativ wahrgenommen. (Quelle: NudgingProf. Dr. Gerhard F. Riegl)

 

Lässt sich diese Methode auch auf das Beziehungsgeflecht zwischen Frauen und Männern übertragen? Politikwissenschaftlerin und MFF-Initiatorin Dr. Nadja Tschirner geht der Frage auf den Grund, ob Nudging auch mehr Chancengleichheit in der Partnerschaft sowie in der Arbeitswelt bewirken kann. Antworten – und konstruktive Fragen – gibt sie in ihrem Vortrag „Nudging für mehr Chancengleichheit“ bei der Ethik-Konferenz „Beyond Good“ am 9. November im Literaturhaus München. Die fünfstündige Veranstaltung, die eine Kooperation von Salon Luitpold und Street Philosophy ist und unter der Schirmherrschaft von S.K.H. Ludwig Prinz von Bayern steht, lädt führende Denkerinnern und Denker ein, um Ethik in all ihren Facetten zu präsentieren und zu diskutieren. Die Frage wie wir miteinander umgehen wollen, stellen dieses Jahr neben Dr. Nadja Tschirner sieben weitere Protagonisten, darunter die Philosophen Richard David Precht und Prof. Dr. Julian Nida-Rümelin, die Journalisten Juliane Leopold und Axel Hacke, die Wissenschaftler Prof. Dr. Patrizia Nanz, Prof. Dr. Birger Priddat und Prof. Dr. Armin Nassehi.

 

Die Ethik-Konferenz „Beyond Good“ ist für alle Interessierten offen. Tickets sind hier erhältlich: https://www.beyond-good.de/tickets

 

Darum geht’s im Vortrag von Dr. Nadja Tschirner „Nudging für mehr Chancengleichheit?“

Die Welt wird immer komplexer. Jeden Tag werden von uns zahlreiche Entscheidungen gefordert: welchen Stromanbieter brauchen wir, wie können wir uns gesund ernähren, welchen Berufsweg sollen wir einschlagen. Und dabei versuchen wir es auch noch richtig zu machen, ohne jedoch zu wissen wie das Richtige aussehen könnte.
Die allgemeine Verunsicherung führt sichtbar dazu, dass starke Führer wieder im Kommen sind und nachgefragt werden. Wir sind es gewohnt, von Männern geführt und regiert zu werden. Je stärker desto besser ist die stereotype Vorstellung. Was aber, wenn die Unterstützung bei der Entscheidungsfindung auf leisen Sohlen daher kommt, wenn wir gar nicht merken, dass wir zu unserem Besten ein wenig angestupst werden? Das ist die Idee des Nudging, als Schlagwort für einen libertären Paternalimus, der davon ausgeht, dass wir Unterstützung brauchen, um die Dinge zu tun, die uns gut tun. Ist das das Ende des freien Willens? Lassen wir jetzt über uns bestimmen, zwar freundlich aber bestimmt? Mehr zu den Inhalten des Vortrags erfahrt ihr in diesem Blogbeitrag.

 

Autorin: Julia Schmid

 

Dr. Nadja Tschirner beschäftigt sich auch immer wieder mit dem Thema „Stereotype“. Hier geht’s zu ihren Vorträgen:

Stereotype unter der Lupe

 

Stereotype mächtiger denn je?

Auch Männer wünschen sich mehr Gleichberechtigung