Frisch gebackene Mutter (oder auch frisch gebackener Vater) und Führungskraft? Zwei Rollen, die sich heutzutage für viele Frauen (und zunehmend auch für junge Männer) schwer miteinander vereinbaren lassen. Besonders, wenn sie schon erlebt haben, wie stressig eine Führungsposition sein kann, wie groß der Druck ist, 24/7 erreichbar zu sein, auf wieviel Privat- und Familienleben sie deshalb verzichten müssen. Auch das ist ein Grund warum der Anteil von Frauen in Führungspositionen stagniert, viele Frauen einen Karriereknick erleben, wenn Sie sich für eine Familie entscheiden. Dabei ist es in Zeiten des demografischen Wandels und des Fachkräftemangels essentiell für Unternehmen, top ausgebildete jungen Frauen in Führungspositionen zu bringen und zu halten. Darum etablieren sich immer mehr flexible Modelle, die es Müttern (oder auch Vätern) ermöglichen ihre Führungsposition in Teilzeit auszuüben. So kann’s funktionieren:

  • Topsharing (auch Jobsharing genannt): Aus zwei Teilzeitkräften wird eine Führungskraft. Der Schreibtisch ist immer besetzt, jedoch von unterschiedlichen Personen. Es gibt zwei Teamleiter für einen Aufgabenbereich. Sie sprechen sich selbstständig ab, wann wer erreichbar und/oder präsent ist und unterscheiden bzw. ergänzen sich im Idealfall sogar in ihrem Fachwissen und ihren Kompetenzen. Die Arbeit verteilt sich auf zwei Schultern. Workshops und Seminare zu Kommunikationstechniken und Zeitmanagement-Strategien helfen bei der Selbstorganisation.
  • Der klassische Stellvertreter: Er ist Ansprechpartner bei der Abwesenheit der Führungsperson und übernimmt bis zu einem gewinnen Grad auch Verantwortung. Bei wichtigen Entscheidungen agiert er als Vermittler bzw. „Gatekeeper“ zur Führungskraft. Dadurch wird die Führungskraft in ihrer Auszeit weniger häufig kontaktiert und hat die Möglichkeit, sich voll und ganz auf das Privatleben zu konzentrieren. Darüber hinaus ermöglicht dieses Modell, engagierte Nachwuchskräfte in ihren Führungskompetenzen zu schulen und ihnen zu signalisieren: wir trauen dir Verantwortung zu.
  • Projektbezogene Aufgabenverteilung: Die Führungskraft regelt eine klare Rollenverteilung im Team, sodass es für jeden Bestandteil des Projekts einen Ansprechpartner gibt, der auch autark handeln kann und für andere Abteilungen klar als Ansprechpartner erkennbar ist. So können viele Fragen auch ohne den Teamleiter geklärt werden, dessen Aufgabe eher darin besteht, alle Themen im Blick zu haben, als Ratgeber zur Seite zu stehen, das Team zu lenken, mit der Spitze zu kommunizieren und wichtige Entscheidungen zu treffen. Eine tägliche physische Präsenz ist dafür aber nicht unbedingt entscheidend.
  • Homeoffice 4.0: Teilzeit heißt nicht immer automatisch 60% Anwesenheit. Die weltweite Vernetzung macht das Arbeiten von zu Hause aus so einfach wie noch nie. Diverse Tools / Apps / Softwares ermöglichen Projektmanagement und interaktive Teilnahme an Besprechungen oder Konferenzen von jedem Ort der Welt aus – vorausgesetzt die Internetverbindung stimmt. Hinzukommen Bildschirmübertragungen, Videotelefonate, Chats mit gängigen Sozialen Medien. Das erspart schon mal die Anfahrt ins Büro und ermöglicht das Arbeiten zu unkonventionellen Zeiten.

Abgesehen von den organisatorischen Faktoren, ist es das Vertrauen ins Team genau so wichtig wie die eigene Fähigkeit Aufgaben abgeben und Verantwortung teilen zu können. Professionelle Unterstützung durch entsprechende Fortbildungen, Seminare, Workshops sowie Mentoring- und Coaching-Programme helfen sowohl der Führungskraft als auch den Teammitgliedern, sich effizient zu organisieren und zu kommunizieren. Dies bedarf erst einmal etwas Geduld und Arbeit, bis sich das ganze Team an die neue Situation gewöhnt, aber nach einer Weile stellt sich eine Routine ein und alle können von der neuen Flexibilität profitieren.

 

Weitere wertvolle Tipps und Tricks zum Thema „Führungskraft in Teilzeit“ gibt’s auch in unserem Buch „Clever aus der Abseitsfalle. Wie Unternehmen den Wandel zu mehr Frauen in Führung gestalten.“

 

Autorin: Charlotte Holderied